Klassische Moderne · 1956
Nachkriegsarchitektur als kultureller Neubeginn — und einer der bedeutendsten Kulturauten des Nachkriegsdeutschlands.
Einordnung
Die Liederhalle ist einer der wichtigsten Kulturbauten des Nachkriegsdeutschlands und für Stuttgart weit mehr als ein Veranstaltungsort. Sie steht für den Versuch, nach Krieg und Zerstörung nicht nur funktional neu zu bauen, sondern kulturell neu anzufangen. Verantwortlich für den Bau war Rolf Gutbrod; eröffnet wurde die neue Liederhalle am 2. August 1956. Schon zeitgenössisch galt sie als bedeutender Kulturbau, heute gehört sie fest zum architektonischen Gedächtnis der Stadt.
Ihre Bedeutung liegt auch darin, dass sie an derselben Stelle wiedererrichtet wurde und damit Kontinuität und Neubeginn miteinander verknüpft. Die neue Liederhalle war bereits während der Bauzeit ein öffentlich beachtetes Projekt; nach nur 18 Monaten konnte sie eröffnet werden. Das verweist auf den besonderen Rang, den man dem Bau damals zuwies: Er sollte nicht nur Raum für Musik schaffen, sondern ein Zeichen dafür sein, dass die Stadt sich kulturell wieder aufrichten wollte. Architektur war hier nicht Beiwerk, sondern Teil einer gesellschaftlichen Selbstvergewisserung.
Architektonische Entwicklung
Später wurde der historische Teil der Liederhalle 1987 unter Denkmalschutz gestellt. 1991 ergänzten Wolfgang Henning und Rudolf Schricker den Bau um einen Kongressanbau zum heutigen Kultur- und Kongresszentrum. Zwischen 2019 und 2020 wurde der Kongressbereich umfassend saniert, technisch modernisiert und für zeitgemäße Anforderungen ertüchtigt. Gerade diese Schichtung macht die Liederhalle interessant: Sie zeigt, wie ein Nachkriegsbau nicht museal stillgestellt, sondern weitergenutzt, erweitert und technisch überarbeitet wird, ohne seinen architektonischen Rang ganz zu verlieren.